Textausschnitte aus dem Buch - Der Bergtarpan der Waldkarpathen genannt Huzul

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In dem 1938 erschienenen Buch „ Der Berg-Tarpan der Waldkarpathen - genannt HUZUL“ schreibt Oberstleutnant Ernst Hackl auf 334 Seiten über Entstehung, Herkunft, Exterieur, Eigenschaften und Leistung des Huzulenpferdes. Der Autor gibt Einblick sowohl in das Leben des Huzulenvolkes, seine Verbundenheit und Abhängigkeit von diesem an das raue, unwirtliche, kontinentale Klima perfekt angepasste Pferd, als auch auf die Landschaft des ehemals zur Donaumonarchie gehörenden Gebietes, der Bukovina.

Nüchternen Daten und Fakten stehen seine lebendigen, bildhaften Beschreibungen gegenüber:

Seite 64ff

„Der Tarpan-Huzul hat es also nicht nötig, sich zum degenerierten Araber umschreiben zu lassen und seine Qualitäten auf Umwegen über seinen gerstereichen entarteten Nachfahren her zu beziehen. der da zu leisten längst aufhört, wo jener erst beginnt, wie sich jedermann bei andauernden Bergunwettern auf arabo-huzulischen Kreuzungen überzeugen kann. Er bezog das alles, seine Fähigkeiten und Formen, aus erster Hand direkt und hat sich damit gegen seine Feinde viel besser durchs Poloninen- und Urwaldleben geschlagen; anspruchslos wie seine haferlosen Väter, angewiesen, sich selbst zu verteidigen, angewiesen auf seine Instinkte und die Weide und, wenn es sein muß, auf Fichtennadeln und dürres Laub.

Für ein nur an die Formen der großen Kulturrassen gewohntes Auge wirkt der Original-Huzul, insbesondere der Tarpan-Huzul, in der Gesamtheit seines Exterieurs, der herrausfordernde, ausdrucksvoll knochige Kopf mit dem bösen Geschau – ohne Hals unter einem Berg von wirren Haaren auf die Schultern gesetzt - , der tiefe endlos lange Leib auf steckengebliebenem Bein, grotesk, ja komisch: man ist versucht, ihn nicht ernst zu nehmen trotz seiner in der Aufrichtung zur Schau getragenen Prätension. Und doch ist es ein imposantes Bild, auf der Polonine oder in der Luczyna diese kleinen Gesellen, eine Herde von 70 Müttern, angeführt von den 3-jährigen Stuten, vor dem Schneesturm über die neuweiße Decke durch die Flocken stürmen zu sehen, bergab und bergan, gegen den schützenden nährenden Wald zu: in Karriere, die Köpfe vorgestreckt, die buschigen Mähnen flatternd, die langen Fahnen wie dicke schwarze Striche hinter sich her.

Wenn du versucht bist, ihn nicht ernst zu nehmen und gute Nerven hast, dann lasse dich einige Tage – und Nächte werden daraus von selbst - durchs Gebirge von ihm tragen: den schwarzen Czeremosz aufwärts zum Baltagul, auf den Ladescul, den Pop Iwan, über Hänge, Wildbäche, Urwald und Sumpf, bis der Steig am Bergrutsch abreißt und dich das Grausen angeht. Wenn du´s nicht verträgst, da hinunter zu schauen über das rieselnde Geröll, und nicht nachten willst im Urwald, mit ein paar rotglühenden Lichtern, mache die Augen zu und lasse es seine Sache sein, wie er das macht, da tastend hinüber zu kommen. Nur störe ihn nicht. Sobald er drüben gelandet ist mit dir und deinem Angstschweiß, mit einem Ruck am Rande in dem Augenblick, wo unter seinem 4. Huf das Geröll hinunter donnert und er befriedigt prustend stehen bleibt - nimmst du ihn ernst, sehr ernst, und gibst ihm, wenn er´s mag, dein letztes Stück Brot. Du wirst ihn nicht mehr dressieren nach den Regeln der Reitkunst und, wie sie glaubt, dass er den Kopf zu stellen hat, wie sie ihn lehren will, dass er sein Gleichgewicht zu finden hat. Brückenlos im Finstern durch 19 brausende Furten, bis Baltagul läßt du ihm seinen Willen, auch wenn er mitten im reißenden Fluß stehen bleibt, umdreht und wendet und wieder wendet, sodass du nicht mehr weißt, wo die Ufer, wo rechts, wo links, ob´s vorwärts oder rückwärts geht...er bringt dich verlässlich zur Unterkunft. Trotz Nacht. Aber zwinge ihn nicht gegen sein besseres Wissen, er kennt seine Heimat und ihre Tücken. Du nicht. Und wenn du es anders machst, brichst du ihm das Bein und Dir das Genick.

Seite 167 ff

Die Lucina (1400-1600 m) und die Fohlenhöfe Iswor und Kriwej sind bei einer ziemlich harten Aufzucht geblieben, die den Betrieb vereinfacht. Im Winter nach der Heugabe, je nach Witterung um 7 – 8 Uhr morgens, erfolgt der Austrieb über die Tränke an der Lukawa zu den Schobern, von denen das Heu auf die Schneedecke verteilt wird und bleiben die Pferde den ganzen Tag draußen. Bei genügend Vorrat bekommen sie Heu, soviel sie wollen. Abends vor Dunkelheit kommt die Herde zurück in die zwei Laufstallungen, wo inzwischen primitiv Ordnung gemacht und in den Krippen Heu vorgelegt wurde. Bisher waren die Stallungen ohne Fenstereinsatz. Die permanente Streu besteht ebenfalls aus Heu. Ab Weidebeginn, das ist ca. Mai, geht das Gestüt nur bei kaltem, schlechtem Wetter nach Hause, ansonsten bleibt es bereits über Nacht im Freien.

In Jahren mit wenig Heuvorrat muß in der Übergangszeit die Weide zeitlicher ohne Frühfutter bezogen werden. Nur Stuten mit Saugfohlen bleiben bis zum neunten Tag überhaupt zu Hause.

Diese Aufzucht, die immerhin die Tiere den natürlichen Verhältnissen ziemlich nahe hält, stellt in dieser Höhenlage bei der Entfernung der Weiden, aber besonders im Winter und in den Übergangszeiten, schon eine bedeutende Anforderung an die Wiederstandsfähigkeit. Sie hält auch die natürlichen Instinkte wach und zieht bei verschiedenen Anlässen einen erkennbaren Trennungsstrich zwischen dem rassereinen Teil des Gestütes und dem verkreuzten, verfälschten.

Beachtenswert ist, wie bei dieser Haltung der Instinkt je nach Rasse unterschiedlich, durch den Einfluß einer teilweisen Stallhaltung und Fütterung verflaut, bei anderen erhalten bleibt.

„Wenn der so schnell fliegt“, sagt der Hirte Samson Koczerhan an einem leuchtenden Septemberabend und deutet auf einen Vogel „dann kommt bald Schnee“, löscht das Hirtenfeuer und treibt etwas zeitlicher ein. Tags darauf erwachte die Lucina unter einer knietiefen Schneedecke. Die Mutterstuten gehen über die Lukawa zu den nächstgelegenen Heuschobern, die Saugfohlen, verschüchtert von dem ungewohnten weißen Grund, der nicht trägt, stapfen behutsam dicht neben ihren Müttern. Während aber die verkreuzten Stuten sich zufrieden geben mit dem vom Schober gestreuten Heu, teils an der Triste kleben, schnuppern die echten Tarpane da dran herum und eine nach der anderen ziehen sie sich verächtlich weg von diesem ausgelaugten Zeug, hinauf den Gaina-Hang, und scharren energisch ihre grünen Gräser unter der hohen Schneedecke hervor. Die Fohlen, die bei den in Portionen aufgestreuten Heubüscheln verblieben, sehen dort und da das Scharren, ahmen es nach, aber während sie ziel- und kraftlos diese Bewegung des Kratzens unter und hinter sich machen, greifen sie gleichzeitig vor sich die auf der Oberfläche der Schneedecke liegenden Heuhalme auf: Von ihrer ersten Jugend an verflauen die Instinkte. Die anderen, ihren Müttern gefolgten kleinen Tarpane stehen erst ratlos neben diesen im Schnee, dann zupfen sie beim Maul der Mütter die Gräser mit aus den freigelegten Schneelöchern und es dauert nicht lang, so scharren sie gleich ihren Müttern eifrig darauf los; jedes seinen eigenen Strich.


Seite 165 ff

Die “Dressage“ in Radautz besteht bei der Bespannung für ebene Trabarbeit in der Belastung mit dem Dreifachen des Körpergewichtes einschließlich Wagen; im Tragdienst bis 150 kg einschließlich Mann; 5 1/2 km Trab in der Ebene. Hierbei eine Hafergebühr von 3-5 kg steigend.

Es liegt auf der Hand, dass die Leistungserprobung und Übung des Huzulen in der Ebene und auf Straßen keine seinem Zweck entsprechende Verwendung darstellt. Ein im weglosen Gebirge oder auf Saum- und Karrenwegen des Berglandes vorwärts kommendes Pferd, kommt auch auf Straßen der Ebene weiter, mögen sie noch so mangelhaft sein. Das Training unter Durchschnittslast und die Steigerung der Belastung müssen für die Gebirgsleistung bei einem Gebirgspferd berechnet sein. Dann gibt es auch in der Ebene, selbst unter zusätzlicher Belastung, kein Versagen. Nicht aber umgekehrt. Der Zuchtzweck ist in erster Linie ein militärischer. Man kann nicht einwenden, dass ja die Zucht auch für den wirtschaftlichen Zweck des Bergvolkes betrieben wird. Gewiss, aber nur deshalb auch für letzteres und in diesem Umfang, weil das Militär die Huzulen der Landeszucht braucht, im Frieden sie assentieren, im Ernstfalle mobilisieren muss. Stünde dieser Zweck nicht im Vordergrund, so wären schon längst auch in den oberen Gebirgstälern, soweit Straßen bestehen, Hengste anderer Rassen dort eingezogen für rentableren, schwereren Zugdienst, und die Bergbauern ließe man sich behelfen, so gut sie können. Des Steuerertrages der Bergwirtschaften wegen oder aus Begünstigung des Huzulenvolkes ist die Wiedererrichtung der Lucina mit forciertem Stande wahrscheinlich nicht erfolgt. Es ist daher verwunderlich, dass sich die Gestütsleitung, die hiedurch bedingte Gelegenheit entgehen lässt, zwei große Vorteile für diese Zucht aus dem militärischen Zweck zu erreichen, wenn sie schon daraus bisher den Nachteil des Entartungseinflusses tragen musste, nämlich:

1. Das Training zweckmäßig zu gestalten, es dorthin zu verlegen, wo es hingehört, ins Gebirge, wofür ja die Lucina und ihre Umgebung ein Idealgelände darstellt, von der leichten bis zur schwersten Leistungsaufgabe steigerungsfähig.

2. Dieses Training mit Heeresangehörigen aus entsprechenden militärischen Formationen durchzuführen, wodurch allein die Gestütsleitung erreichen kann, dass die falschen Begriffe von Maßerfordernis von Exterieur, Rassetypus und Leistungsfähigkeit in diesen Kreisen praktisch sehr rasch und wirksam abgelegt werden.

Wenn im vorgeschrittenen Training und mit Abschluss desselben den hiezu kommandierenden Offizieren und Mannschaften nach allmählicher, vernünftig gesteigerter Leistung, Aufgaben gestellt werden, wie z. B. über Sarate nach Borsa banja und zurück zu reiten, oder über den Czogul nach Jalowiezora und Konjatyn und dergleichen Touren, wie sie von Lucina oder Kriwej aus in allen Leistungsstufen für den echten Huzul unzählig nach jeder Richtung vorm Stalltor liegen, dann wären die Ansichten bald korrigiert und die Zuchtleitung befreit von dem Oktroi der 1 1/2-m-Höhenmaße und den damit verbundenen Bestrebungen der Rassenverfälschung. Nichts wirkt so schnell und gründlich wie selbst gemachte Erfahrungen

Seite 73 ff

Sofern eine ernste Gebirgsleistung unter normalen natürlichen Verhältnissen, ähnlich den in den östlichen Karpathen bestehenden, erforderlich ist, also auch das Entsprechen unter schwierigsten Bedingungen erwartet wird, ist das Verwenden des Arabo-Huzuls hiefür mit großen Nachteilen und Risiken verbunden und kein Vergnügen. Mit einem solchen Pseudo-Huzul im Spätherbst, bevor der Schnee trägt, über das Gebirge zu gehen, ist eine Marter für Pferd und Mann: Der arabisierte Huzul bricht durch die noch ungenügend tragende Schneedecke und Wächten durch, steckt mit seinen langen Stelzen tief drinnen, wird verzagt, ist haferlos auch kraftlos und bleibt nach einigen verzweifelten Anstrengungen herauszukommen, so wie er steckt, liegen. Es nützt kein Abpacken oder Absitzen, er versinkt auch allein; versinkt nicht mit Beibehaltung seines Gleichgewichtes, sondern gerät in die hoffnungslosesten, hilflosen Stellungen und Lagen, kann für seine langen Beine nicht Luft schaffen, bekommt das Knie nicht frei. Gelingt es ihm, sich vorne aufzurichten, versinkt er hinten und gibt den Kampf auf. Vor solchen Touren mit unechten Exemplaren, langbeinigen Spinnen, rumpflos, etwa noch schmal, wie die neueren Vergrößerungsbestrebungen sie produzieren, kann nicht genug gewarnt werden. Schon der Instinkt, die verwehten Schneelöcher wie Mulden, Falten eines fährtelosen Hochplateaus im Schnee zu meiden, hervorstehender Vegetation nachzugehen, sie aber vom überwehten Krummholz zu unterscheiden, sind Eigenschaften, die den echten Huzul, der seine Heimat kennt, unersetzlich machen. Der Huzule bricht auch durch, aber nur bis ihn der Rumpf trägt. Seine kurzen Beine stecken nicht tief, das Knie hat, um frei zu werden, nicht soviel Widerstand der Schneemassen zu überwinden. Von Brust, Bauch, Länge, Kruppenbreite getragen, liegt bzw. steckt er aufrecht. Und vor allem, er bewahrt die Ruhe und das Selbstvertrauen, wird nicht verzagt, weiß, was er zu machen hat, und kann sich dies dank seiner Muskelkraft leisten. Also ist auch kein Anlaß, daß er gequält wird, um mehr zu geben, als er in sich hat. (Daher ist der echte Huzul für jeden „echten“ Wildschütz [seit 1874] in der Huzulei, von 1200 m aufwärts das Idealpferd, nach wie vor unersetzlich, wie er es durch Jahrhunderte vorher für die freie Jagd seines freien Herrn in den freien Bergen gewesen war; „ Edles Weidwerk“). Alles in allem Eigenschaften von Huzulenbergland und -pferd, die es für den Fremden ohne einheimischen Führer überdies ratsam erscheinen lassen, seinen Huzul nicht daran zu gewöhnen, dass er gleich dem Jagd- oder Straßenpferd in sichtigem Terrain oder unter stets gleich bleibenden Verhältnissen sich nur und vollends der Führung des Menschen und seinen “Hilfen“ überantwortet, ihnen vertrauensvoll seine Instinkte unterordnet. Es wird gut sein, am Hochplateau auf 1700 m im Schneesturm bei Einbruch der Dämmerung, wenn die Instinkte durch Abrichtung und Abgewöhnungen nicht beeinträchtigt wurden. Es wird gut sein, gegen eine wider Willen und unverständlicher Weise eingeschlagene Richtung nicht zu protestieren. Und es steht dafür, auch nur einer einzigen solchen durchlebten Stunde kleine Schattenseiten zugute zu halten, die ein derartiges Dauerverhältnis zwischen Huzul und seinem Herrn mit sich bringt. So ist es bekanntlich nicht jedermanns Sache, auf dem langen Saumweg über einem Abgrund ständig auf der Kante ohne Hufbreit Zwischenraum zu reiten, wenn auf der Bergseite auch Platz ist am Steig. An solchen Stellen setzte beim ehemaligen Gestütskommandanten von Radautz, Oberst W. Wolf, der die Huzulen höher schätzte als die tiefen Schluchten, pünktlich ein gereiztes Zwiegespräch mit seiner Huzulenstute ein und der Kampf mit ihr um die Kante oder aber Bergseite des Steiges. Kaum hatte er sie hereingesteuert, war sie in einem unbewachten Moment schon wieder auf der äußersten Kante, so dass ihr Heubauch und die Hälfte des Reiters über dem 100-Meter-Abgrund schwebten, worauf das Spiel von vorn begann.

Der Huzul geht nicht gern in der Mitte des Steiges oder auf der Bergseite. Denn da ist der Steig hart, festgetreten oder ausgewaschen und steinig, am Rand aber weich. Außerdem wachsen am Rand und knapp darunter saftige Gräser, und da nimmt er sich gewohnheitsmäßig alle paar Schritte ein Maul davon. Weil er aber nicht schwindlig ist, auch seinen Dienst nicht versagt, seinen Schritt nicht verkürzt wegen der Grasbüschel, so ist ihm die Marotte nicht verständlich, auf dem Harten gehen zu müssen und auf spitzen Steinen mit angestellten Zügeln. Bleibt es ihm doch im Sumpf über vermorschte Prügel oder in der Nacht auch überlassen, für sich und seinen Herrn den Weg zu suchen.

Seite 118 ff

…..es kam das Jahr 1914 mit dem für die Zucht katastrophalen Schlag. Wieder war es nur das Zuwiderhandeln gegen die obrigkeitlichen Verfügungen, das eine gänzliche Vernichtung der Rasse verhindern sollte. Die Kriegsmobilisierung hat alles an Huzulen aufgegriffen, dessen sie habhaft wurde. Die Evakuierung bei der Vorrückung der russischen Armee nahm den Rest in der Huzulei von Kirlibaba bis Zabie und Warochta, nahm alles, was Folge leistete, was sich nicht verbarg.

Der gesamte Gestütsbestand Luczyna, bis auf die im Vorjahr gegen Revers an Bauern übergebenen „zu kleinen“ Tarpan-Fohlen und Ausgemusterten von 1914, marschiert nach Südwest über das Gebirge, wird in Ungarisch-Bystritz einwaggoniert und nach Innerösterreich abtransportiert- - - - -

Über den Tälern der Huzulei donnern die Geschütze. Die Gebäude der Luczyna brennen ab. Der Forstsaum ihrer Weiden wird zerschossen, wird gefällt: kahl und verkohlt ragen zersplitterte Stämme auf, wo die Waldriesen gestanden. Das Herz der Huzulei ist heiß und blutig umkämpft.

Zabie geht in Flammen auf. Von Kirlibaba über den hohen Capul, über den Bärenquell durch die Wildnis, vorbei am Ursprung des schwarzen Czeremosz und hinauf entlang dem Kamm der Czerna Hora ziehen sich die Schützengräben der Deutschen und der Österreicher – jenseits des Czeremosz die der anderen auf den Poloninen. Die Weiden aufgewühlt, versengt. Feldbahnen, Prügelwege und Raupen führen durch Urwald und Wildnis. Dahinter entstehen über Nacht Barackendörfer und Spitäler, Laboratorien, Gemüsegärten und Bergwerke, Sauerquellfabriken, Lichtermeere, Friedhofsdenkmäler und sonstige Wunder deutscher Technik und Organisation in Urwald und Sumpf.

Dazwischen aber, zwischen den feindlichen Linien, dort und da, wo tief unten das Tal des Czeremosz einsichtig wird, die Kämme über seinen Ufern auseinanderweichen oder den Gegnern keinen Vorteil bieten, herrscht Urzustand und Stille. Tiefste Stille meilenweit entlang des Czeremosz – bis auf das Heulen der Granaten quer über das Tal bei Tag und das Heulen der Wölfe bei Nacht. Eine schwere, bange Zeit für die Huzulengreise und die fahnenflüchtigen Jungen, die sich und ihre Schafe und Tarpane hier zwischen den Fronten in Schluchten und Bergkesseln versteckt halten. Bang für die Hirsche und Bären, die, vom Kriegslärm verscheucht, dahin in den Urwald Zuflucht nehmen. Eine üppige Zeit für die Geier, die unter den Kreuzen und Helmen der größten Entente, diesseits und jenseits, scharren und sich kreischend um ein erloschenes Auge zanken. - - -

Der Kriegslärm ging vorbei. Asche vertrug der Wind – Erde blieb. Und die Bergsonne darüber. Da und dort brachte ein Huzul seine Stute oder ihr inzwischen groß gewordenes Fohlen und sein weniges Vieh aus dem Wald; da und dort holte eine Dzwinka ihren Dobosz mit Pferd, Hab und Gut aus dem Versteck, kehrten Kriegskrüppel heim und nahmen ihr Tagwerk auf. Und da zeigte es sich, dass es gar nicht wenige Pferde waren, die da wieder zum Vorschein kamen. Auch manches darunter, das von weit her war, das lahm, verwundet und eitrig zurückgelassen, eingefangen und ausgeheilt worden war. Aber das meiste waren doch die Geretteten aus den Verstecken. Denn, um das Pferd zu retten vor den Zettelquittungen von Freund und Feind, haben die Huzulen und Huzulinnen alles darangesetzt und versucht.

So berichtet ein ehemaliger Kanonier, dass er beim Rückzug aus der Bukowina mit seiner Abteilung in den Ort Moldawa-Sulitza kam. In dem Hause, wo er nächtigte, hörte er die Nacht hindurch unerklärliche Geräusche. Spionage witternd, wie das damals üblich war, weckte er einen Kameraden; sie schlichen um das Haus und durchsuchten die Räume, ohne etwas zu finden. Bei Tagesanbruch, als schon die Abteilung abmarschbereit war, vernahm der Kanonier vom Haus aus abermals dieses Geräusch, das von der Mauer ohne Tür und Fenster kam. Nun kletterte er auf den Dachboden, fand unter schütterem Heu eine Falltür; als er sie öffnete, wieherten ihm von unten aus dem Finsteren zwei in die Kammer eingemauerten Pferde entgegen. Er meldete dies, die Wand, wo die vermauerte Tür zu vermuten war, wurde aufgebrochen und da kamen zwei prächtige Huzulenstuten heraus. Aber auch gleichzeitig aus der Nachbarschaft ein alter Bauer, der flehentlich um seine Pferde bat; jedoch nichts als einen gewissen Zettel erhielt. Drei Tage und Nächte folgte der Greis der Abteilung durchs Gebirge nach, um die Stuten zurückzubekommen, oder aber: man möge ihn bei ihnen belassen, auch ihn mitnehmen, er werde Dienst machen wie jeder andere. Er erreichte, dass ihm die Stute zurückgegeben, für die andere eine lahme bessarabische Stute ausgetauscht wurde. Auf den Vorhalt, wenn die Pferde von den Österreichern nicht genommen werden, so nehmen sie die Russen, erwiderte er: Jetzt weiß er schon woran er ist, er geht mit den Stuten nach Perkalab und über den Fluss, wo kein Russe und kein Österreicher hinkommt. Nahm die Stuten und ging dorthin.

Solcherart war der spärliche Rest von Pferden im Lande, der von einem 50jährigen Zuchtaufbau in der Huzulei verblieben war, bevor sie zur Aufteilung unter drei Staaten kamen.

Seite 56 ff

Die Farbe. Gaßebner ausführlich in allem, was er überlieferte, tut die Farbe ab mit dem Satz: „Die Haarfarbe ist bizarr.“ Und dies hat wohl seinen Grund. Nicht, daß ihm die reinen Braunen, Rappen, Falben und Fuchsen, die Nichtbizarren, entgangen wären; aber es ist naheliegend, daß man die hauptsächlich vorkommenden Farben, wenn schon nicht die seltenen, ausnahmslos aufzählt, falls man überhaupt damit beginnt. Damit hat es aber beim Huzul des öfteren seine Schwierigkeit. Denn da treten Farben, besser gesagt, Farbengemenge des Deckhaares - und, wie früher beschrieben auch im Langhaar - auf, die nicht so ohne weiters definierbar sind und insbesondere nicht mit einem fachlich eingelebten Ausdruck zu nennen sind, weil es dafür keinen verständlichen gibt, falls man nicht zu den in späteren Zeiten für Modewaren entstandenen Bezeichnungen greifen will. Es ist aber doch zweckmäßig, diese „bizarren“ Farben und ihr Entstehen zu erklären; nicht nur wegen ihrer Häufigkeit, sondern weil gerade diese für den echten Huzulen, hauptsächlich den Tarpan-Typus, charakteristisch und unter den Kulturrassen nahezu ausgestorben sind. Neben den vorgenannten klaren, eindeutigen Farben - die Schecken aus Zabie, mit Ausnahme etwa des Mausschecks, zählen nicht mit - sind der Falb und seine Abtönungen häufig vertreten, sowohl rein als auch - und dies erzeugt das „Bizarre“ der Farbe - dem Braun, Fuchs sowie diese sich selbst gegenseitig unterlegt; das Mausgraue sogar dem Rapp. Die Schattierung rehbraun, mehr oder weniger falbig oder mausgrau vermengt, ist eine der häufigsten und bringt Verlegenheiten durch ihre Abstufungen für eine zutreffende Farbenbezeichnung. Sie zwingt bei der Aufnahme der Beschreibung zu ungewöhnlichen Benennungen zu greifen, um Überraschungen vorzubeugen, die der Haarwechsel, aber auch das Alter mit sich bringen kann. Es empfiehlt sich, die Farbenkombinationen jeweils zum Ausdruck zu bringen. So war beispielsweise der damals 3jährige Hengst Surmacz des Jura Blaszczuk in Senyci beim Berg Dobosz (polnische Huzulei) im staatlichen Register als Falb geführt, und als er im Sommer auf der Weide aufgefunden war, stand ein unzweifelhafter Braun da, dem am ehesten die Bezeichnung dunkelfalbiger Wolfsbraun gerecht würde. So wie von Braun und Falb, sind auch vom Falb, Schwarzbraun und Fuchs alle erdenklichen Kombinationen und Abstufungen zu finden, wobei das Falbige häufig überwiegt und sich in der Nachzucht sehr hartnäckig behauptet. Vereinzelt auch Creams (Dunkel-Isabellen).

Reine Fuchsfarbe ist in der Regel nicht mit gut ausgeprägtem Tarpan-Typus verbunden. Schweißfuchsen bringen die veredelte Abweichung sehr stark zum Ausdruck. Überhaupt liegt immer, wo reinfarbiges Weiß hinzutritt, fremder (arabischer) Einschlag vor, wenn auch den Formen nach mit einer ziemlich vollständig erscheinenden Rückzüchtung auf den Huzul verbunden.

Beim reinen Mausfalb dunkel oder licht, ist das Langhaar hauptsächlich schwarz, Kopf, Ohren und Beine mehr oder weniger schwarz schattiert. Bei Lichtmausfalben entfällt auch diese Schattierung stellenweise, seltener gänzlich. Diese haben manchmal einen rötlichen Stich, Dunkelmausfalben zuweilen einen bräunlichen. Mausfalbig ist jedenfalls als Wildpferdfarbe, rein oder untermengt, ein untrügliches Kennzeichen gut bewahrter Vererbungsqualitäten eines echten, reinen oder mit Bystrzec oder Przewalsky vermengten Tarpan-Huzulen.

Bei Vermengung von Mausfalb und anderen Grundfarben entstehen Kombinationen, die für eine zutreffende Beschreibung nur den Rat erübrigen: Hilf dir, wie du kannst, d.h. man darf sich von der Gebräuchlichkeit der Bezeichnungen in der Wahl eines zutreffenden Ausdrucks nicht beeinflussen lassen. Wenngleich es keine blauen Pferde gibt, so gibt es doch dunkelmausgraue Huzulen, die im Sommer bei unbedecktem Firmament ausgesprochen blaugrau sind. Da man in der Huzulei nicht die Gelegenheit hat, sich so lange in einem Wirtshaus „Zum blauen Tarpan“ niederzulassen, bis dem Undefinierbaren der Winterpelz ausgegangen ist, um festzustellen, ob dieser Farbenstich sich dann mehr dem Falb, dem Braun usw. nähert, ist er ebenso zu beschreiben, wie er sich präsentiert, z.B. blaustichiger Mausfalb (Sommer), bräunlicher Dunkelmausfalb (Winterhaar) u. dgl.

Ursprünglich eine der häufigsten Farben, ist der Mausfalb jetzt seltener geworden. Wenn es auf die Bauern ankäme, wäre er schon ausgestorben. Denn es ist die unbeliebteste Farbe bei ihnen, obwohl nichts anderes gegen sie spricht, als daß sie eben von alters her die alltägliche war.

Ein besonderer Fall von Farbgemenge ist im Winter 1936/37 bei der Pferdeklassifikationin in Jasina vorgeführt worden. Offenbar eine Kreuzung von Konik mit Bystrzec-Huzul; an dem Deckhaar war alles zu finden: braun, rot, falbig, mausgrau, dunkel und licht.

Weiße Abzeichen sind dem reinen Tarpan-Huzul nicht zu eigen. Sie sind ein verläßlches Merkmal eines, wenn auch noch so geringen arabischen Einschlages, sei es nun von Staatshengsten früher oder jetzt gebracht oder aus der Ebene stammend. Daher verlieren sie sich in der reinen Rückzucht im allgemeinen verhältnismäßig bald, aber doch nur so, daß mit ihrem Wiederauftreten in einer Herde noch nach mehreren Generationen gerechnet werden muß.

Schimmel kommen unter reinen Huzulen nicht vor. Die Schimmelfarben stammen von Einkreuzungen des Orientalen aus den Grenzgebieten, aus der Ebene (Poloninendeckung) oder von Arabern und Arabo-Huzulen, die auf den Hengststationen seinerzeit mitaufgestellt waren (neunziger Jahre). Die Zuzählung der Schimmel zu den Huzulenfarben – gemäß Angaben in der Literatur – ist irrig. Es findet sich da sogar die Behauptung, dass die „Schimmel und Schecken in Zabie die bestgebauten Huzulenpferde“ seien. Gewiß, Pferde kleinen Schlages von Huzulenbauern, aber nicht „Huzulenpferde“; und „bestgebaut“, wenn man die Proportionen des leichten Reit- und Wagenschlages vor Augen hat, nicht aber die für den Dienst des Saumpferdes im Gebirge. Schon dieser festgestellte aufgefallene Unterschied des „besseren“ Baues der Schimmel und Schecken zeigt, daß da etwas nicht stimmt. Und auch, daß stets nur die Rede ist von den Schecken und Schimmeln Zabies, nicht aber von solchen etwa auf Semakowa und Wipczyna.

Woher die Schimmel und Schecken von Zabie stammen, dann, was man von letzteren zu halten hat, ist mit Rücksicht auf diese ausgebreitete Zucht in Zabie von Wichtigkeit.

Das Argument, dass der Sage nach der angebliche Begründer von Zabie zwei schneeweiße Araber mitgebracht habe, ist kein Beweis für, sondern gegen die Schimmelfarbe des alten Huzulen und auch keiner für seine Abstammung vom Araber. Am nördlichen Ufer des Schwarzen Czeremosz, dort, wo der mittlere Teil der 10 km langen einzeiligen Ortschaft Zabie liegt, geht die erste Gebirgskulisse gegen Norden über in einen bis zirka 1400 m ansteigenden Rücken. Er heißt „Bijla kobyla“ (weiße Stute). Wenn es in der Umgebung dereinst mehr als eine oder zwei weiße Stuten gegeben hätte, auch auf anderen Bergen Huzulen gehaust hätten, die Schimmel besaßen, so hätte dieser Berg nicht seinen Namen nach etwas Alltäglichem erhalten. So gibt es in der ganzen Huzulei keinen Berg, der Hnida, Bulana oder Myszata kobyla (Braun-, Falb-, Mausfalbstute) benannt wurde. Denn diese waren auf allen Bergen, waren das Alltägliche; aber eine weiße Stute, die sich dort oben auf einer Bergweide herumtrieb, war eine solche Seltenheit, daß man nach ihr der Örtlichkeit den Namen gab.

Dass Schimmel um 1900 in Kosów und Zabie waren, ist richtig. Aber Huzulen waren dies nicht. Sind doch seit der Errichtung der Hengststationen dortselbst, also seit 1891 bzw. 1895, in beiden Stationen bis 1898 arabische Halbbluthengste mitaufgestellt gewesen, so in Kosów ein Radautzer Sheraky, dann Hindostan, Hafiz, der gräfl. Dzieduszyckische „Jezupol“ gleichzeitig mit „Krzyzik“, in Zabie der gräfl. Baworowskysche hochedle Luby, alles hochgezogene Araber und Schimmel. Wer um und nach 1900 Zabie besuchte – nicht zu reden von Kosów, wo bereits viel orientalischer Zuzug aus der Ebene damals schon einsetzte - , fand somit freilich Schimmel nach jenen Arabern, den kleinsten, die das Depot Drohowyze besaß und dorthin einteilte. Diese Nachzucht der ersten zwei bis drei Generationen aber als Huzulen zu bezeichen, weil sie dort geboren wurden und schon fast so klein wie diese sind, ist verfehlt, so lange verfehlt, als ihre Nachkommen noch irgend etwas Nichthuzulisches vererben. Dies aber tun sie, mindestens solange sie die Farbe tragen. Waren dies offenkundige Kreuzungen, so ist im nächsten Jahrzehnt, bereits als Folge jener gemischten Stationsbesetzung, wenn auch vereinzelt, wieder die Schimmelfarbe, nun schon unter Huzulennamen und huzulenähnlichen Exterieur, durch die im Land gekauften Hengste hineingebracht worden. So deckte in Kosów um 1910 „Sennik“ (140 cm, geb. 1901), als „Huzule“ geführt. Dieser kleine Schimmel, ein Produkt aus solcher Nachzuchtkreuzung, also zwei- oder dreimal rückgezüchtet, war, obwohl er dem Huzulen im Exterieur schon etwas näherstand und wahrscheinlich aus einer Kreuzung Konik-Araber-Huzul stammte, trotzdem kein Huzul, kein „Schimmel-Huzul“. Amtlich als Huzulen geführt war auch der Schimmel „Dobosz“ (145 cm, 1895), der am rande der Ebene in Bohoroczany deckte, ferner in der Bukowina der arabo-huzulische Schimmel „Zhar“ (152 cm) was alles nicht besagt, daß unter den echten Huzulen auch nur ein einziger Schimmel vorgekommen wäre. Denn jedem sah der Araber oder Konik mehr oder weniger aus dem Exterieur oder den Gängen heraus. Durch solche Produkte, deren es damals im Lande mehr gab, konnte der oberflächliche oder arabisch eingestellte Besucher die Meinung mitnehmen, daß der Schimmel zu den Huzulenfarben gehöre.

Es ist nur zu wundern, daß sich die Gegend Zabie vom Schimmel, hingegen leider nicht auch vom Scheck so rasch wieder gereinigt hat, was für die großen Erbqualitäten des Huzulen spricht. Jedenfalls ist derzeit, da im allgemeinen nach 1900 mit Ausnahme des angeführten „Sennik“ kein Schimmelnachschub in Polen mehr erfolgte, mit dieser Farbe dort nahezu aufgeräumt, bis auf Abzeichen, die noch auftreten. Daß auch diese trotz ihrer Zähigkeit zum allmählichen Erlöschen zu bringen sind, geht aus dem Vergleich der Herde der Luczyna von 1904 (Abb. 2) und der von 1936 hervor.

Anders mit dem Scheck, den man als den „Zabier-Scheck“ bezeichnen kann, wo immer einer auftaucht. Denn dort in der Huzulenzentrale nahm er vor 1900 seinen Ausgang, so wie die Schimmel in Kosów, nur mit dem ausschlaggebenden Unterschied, daß diese wieder schwanden, er aber von Anbeginn bei dem farbenfreudigen Huzulenvölkchen einen außerordentlichen Anklang fand. Nicht nur, daß – abgesehen von der Auswirkung des Exterieurs sehr guter arabischer Deckhengste – der Zufall wollte, dass unter den Scheckprodukten wirklich gefällige, manchmal dem Huzul nahestehende Produkte sich fanden, so daß mehrmals Hengste aus der Huzulei angekauft und wieder da selbst aufgestellt wurden, hatte ihre starke Inanspruchnahme dazu geführt, daß ihre Nachzucht als Weidehengste Zuspruch fand. Vorzügliche Stuten, die auf der Station nicht unterkamen, weil sich die Bauern auf den „schönen Scheck“ der Hengststation versteiften oder weil sie es überhaupt nicht nötig hatten, den weiten Weg zu machen, erhielten die Scheckhengste auf den Poloninen, bis erst später die jungen Bystrzec-Söhne auf den Weiden den Unfug eindämmten.

So entstand beispielsweise ein ganzer Scheckstamm Nabob (geb. 1899 aus der Sroka), der, von Jawornik (1899) und dem Schwarzscheck Krasny (1900) sowie einem Miszka I, der Luczyna, Braunscheck (1902), in Kosów unterstützt, sich immer weiter ausbreitete, den Krieg überstand und heute noch in voller Blüte (quantitativ) steht. Insbesondere waren der Rotscheck Jawornik und der Braunscheck Nabob, nach letzterem ein ebensolcher getreu vererbter Sohn Nabob I (1907) aus unbekannter Huzulin, aber auch 122 Miszka I mit ihrer Scheckvererbung von verheerender Wirkung. Dazu hatte sich noch der vorgenannte Schwarzscheck Krasny gesellt, der in Zabie deckte. Erst als ein großer Teil der Gegend Zabie im Begriff war, scheckverseucht zu werden, sollte die Aufstellung des vielleicht besten Huzulenhengstes, den die Huzulei je geboren, des Rappen Bystrzec, dem Spuk ein Ende machen. Dem Hengst wurde alles zugeführt; der Scheck Krasny fiel auf 10 Stuten. Aber es war zu spät. Ergebnis, daß zu den dreierlei Scheckfarben Rot-, Braun-, Schwarzscheck, auch noch nach Bystrzec der Mauscheck hinzukam.

Vorgenannter Jawornik hatte nun 1936 nach mehr als 30 Jahren, auf der Station Kosów einen Nachkommen, den Rotscheckhengst „Kapitan“, tätig; gemäß Abstammung ein Hroby I- (braun) Enkel, aber durch die Mutter (Minka Austrijka, Scheck, eine Jawornik-Tochter) haarscharf das Ebenbild des alten Jawornik, nur größer (148, 177, 18,6). (Eine ganz einseitig durchschlägige Vererbung, in der kein Partner als Jawornik zur Geltung kam, bis auf die Größe.) Aus dem Miszka-Stamm aber stand 1936 ein Braunscheck „Zeleny“ als Deckhengst in Zabie, ein im Exterieur  durch 410 Goral bzw. Taras I verschlechterter, aufgezogener, via Mutter hochbeiniger Miszka I.

Gewiß, diese Scheckenzucht ist gewissermaßen altösterreichische „Erbsünde“ in der Huzulei. Aber man muß bedenken, dass in der Vorkriegszeit das reine Huzulenreservoir im großen Zabier Zuchtrayon einschließlich Hryniawa, Worochta, eines Teiles von Kosów und der angrenzenden Bukowina so bedeutend war, daß sie im Vergleich zu diesem bis zur Eindämmung der Schecken noch keine so große Rolle spielte und auch vorher nicht vorauszusehen war, daß sie bei den Huzulen solche Dimensionen annehmen werde. Auch steht auf der Haben-Seite, dass der Anklang, den gerade diese auffallend kleinen Huzulenexoten all überall, besonders bei der städtischen Jugend aus Pferdeliebhaberkreisen, fanden, ganz außerordentlich war.

So wurden zur Jagdausstellung Wien 1910 einige Schecken aus dem Depot Sad. wisznia mitgenommen und im Gespann wie unterm Sattel gezeigt, welche entzückende Spielerei während der täglichen Bewegung im Prater bei jung und alt helle Begeisterung auslöste. Mit der Folge steigender Nachfrage und Preisverbesserungen in der Huzulei, wo bis dahin 50 Kronen pro Stück, dann aber 80, 100 und mehr Kronen zu erzielen waren. Man stelle sich vor, was in der Großstadt diese lebendigen haarverwachsenen Farbenknäuel, klug, zutraulich und zuckergefräßig, bei den Kindern und Gouvernanten aus begüterten Häusern in Wien, Prag, Pest und über die Grenzen des Reiches hinaus an Weihnachtswünschen erweckten. Die Farben blieben – die Kinder begüterter Häuser und für Abwechslung sorgende Gouvernanten sind dahin.

Dies sei als Milderungsgrund angeführt für die seinerzeit durch 10 Jahre nicht nur geduldete, sondern geförderte Scheckenzucht; mit Betonung dessen, daß durch Bystrzec, dann durch gänzliche Ausschaltung der Scheckhengste vermeintlich noch rechtzeitig dem Überschwang Einhalt getan war. Freilich, nicht wissen konnte man damals, daß 20 Jahre später daselbst vom neuen Staat diese Erbsünde, die Scheckenunzucht, wieder gefördert werden sollte, bis sie die ganze Gegend verseucht und daß sowohl in Kosow wie in Zabie neuerdings je ein staatlicher Scheckhengst decken wird: beide markant arabisiert, ersterer als kleines Pferd, nicht als Huzul, ganz vorzüglich, letzterer eine mißlungene Karikatur.

Über die Umgebung von Zabie beziehungsweise Kosow hinaus, also zur Putilla und tiefer in die Bukowina hat sich dies aber nicht ausgebreitet. Immerhin, kommt man vom Süden durchs Putillatal gegen den Weißen Czeremosz, so blitzt ab Storonetz-Putilla schon da und dort ein solches Farbentier auf. Wo immer weiter abwärts ein Scheck zu sehen ist oder eine einfärbige Huzulin mit einem Scheckfohlen, sei es in Borsa oder in der tschechoslowakischen Huzulei jenseits des Karpathenkammes, wisse: das kommt ohne Passierschein von Zabie via Polonine über die Grenze.

Die Farben des echten Tarpan-Huzulen sind immer begleitet vom Aalstrich und meist von stärker oder schwächer auftretenden Zebrierungen. Beim Mausfalben und Dunkelfalben ist der Aalstrich sehr breit. Wo er fehlt, ist zuverlässig fremder Einschlag im Hintergrund, wenn das Individuum auch immerhin gut typiert erscheint; dann ist es eben wieder rückgezüchtet, ohne aber die Gewähr zu geben, daß – je nach dem Paarungspartner – nicht doch in seinen Produkten Merkmale des Einschlages wieder zum Vorschein kommen.

Der Hell-Isabelle kann einen Aalstrich im eigentlichen Sinne des Wortes nicht haben, aber die größere Dichte und Länge des den Aalstrich bildenden Deckhaares längs der Wirbelsäule ist deutlich erkennbar je nach Lichteinfall, so daß man es als „weißen Aalstrich“ bezeichnen kann. Ebenso beim Schmutzigweiß. Bei den Creams (Dunkel-Isabellen mit rötlichem Langhaar) tritt bereits eine dunklere Schattierung in der Aalstrichlinie hinzu. Beim reinen Rapp ist er natürlich nicht erkenntlich.

Fast immer Hand in Hand mit dem Aalstrich, seiner Deutlichkeit und Stärke gehen beim Tarpan- und Bystrzec-Huzul, soweit eine richtige Erkennung ihrer Reinheit oder überwiegenden Zugehörigkeit möglich ist und sich daher eine Regel aufstellen lässt, die Zebrierungen: schwarze Querstreifen am Vorarm, oft bis zum Erbsenbein, ja bis zur Schiene, so daß der Vorarm bis herunter nahezu geringelt ist, seltener und stets schwächer am Unterschenkel; dann Quer- und Längsstreifen, auch große oder kleine Flecke auf der Schulter und Halsfläche; zuweilen die ganze Partie vom Widerrist herab zum Schulterblatt schwarz und in Streifen auslaufend; starke Striche unterhalb des Axthiebes sowie, vom Schopfhaar verhängt eine mannigfaltig verästelte schwarze Aderung aus der Stirne.

Bei allen überhaupt hiefür in Betracht kommenden Deckhaarfarben dieser beiden Typen wird man mindestens Spuren der Zebrierung da oder dort im Sommerhaar finden, was beim Przwalsky-Typus selten der Fall ist. Das Fehlen derselben oder des Aalstriches bei einem gut ausgeprägten Tarpan- oder Bystrzec-Typus läßt daher auf eine Vermengung zumindest mit jenem schließen. Bei Kreuzungen mit den Arabern gehen die Zebrierungen zum Unterschied vom Aalstrich meist rasch verloren. Ihr Vorhandensein ist also noch kein Beweis absoluter Reinheit, wohl aber ist ihr Fehlen bei Farben, die deren Ersichtlichkeit überhaupt zulassen, ein Zeichen der Vermengung.

Bei allen echten Huzulen mit Wildpferdfarben oder starker Unterlegung (Farbengemenge) soll die Jahreszeit der Beschreibung angemerkt werden. Denn in unzähligen solchen Fällen bringt der Haarwechsel auch einen stark abweichenden Farbenwechsel mit sich.


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